26 April 2008

In Motion

Nachdem wir also gestern "Wolfgangs Stadt" Kokura ausgiebigst besichtigt haben, das Foto beweist seine Anwesenheit am Bahnhof nach 43 Jahren, konnte er heute sogar noch im fahrenden Zug "seine" electrical power-station sehen. Nun ist alles gut....




Bei strahlendem Sonnenschein kamen wir denn auch in Nagasaki an und wurden dort gleich unter vollen Segeln begrüßt. Alle Welt war auf den Beinen, denn hier fand heute eine große Vorführung einiger japanischer Windjammer statt.





Nagasaki war in Bewegung wie man unschwer in der Diashow sehen kann, die ihr auch besser und größer betrachten könnt, wenn ihr mit einem Doppelklick auf die Diashow selbst geht. Ganz normale Japaner gehen am Samstag an der Promenade spazieren. Zum Unterschied in Deutschland isst oder trinkt hier niemand auf der Straße, allenfalls mal ein Eis für 100 Yen für die Kinder. Die Hafenkneipen sind mittags ziemlich leer, Siebrechts waren fast die einzigen, die sich in der wärmenden Mittagssonne ein Kirin gönnten, kostet ja auch 500 Yen, für Japaner ein sehr hoher Preis.

Die Straßen sind blitzsauber. Permanent wird gefegt, gar gewischt.
Wenn die Verkäuferinnen nichts zu tun haben, schauen sie vor ihrem Laden nach, ob sich nicht irgendwo eine Kippe findet, die beseitigt werden kann. Kein welkes Blatt soll das Auge des geneigten Kunden stören, die Schaufensterscheiben müssen strahlen. Hat mal jemand seine Nase dagegen gedrückt, kommt gleich jemand mit der Glasklar Spritzpistole und entfernt den vermeintlichen Fleck.

Auch Rikschas gibt es noch, allerdings im Hightech Land Japan nur für Touris. Und damit die auch standesgemäß dastehen, werden sie auf Hochglanz poliert.

Bemerkenswert ist, dass es kaum Zweiräder, also Motorräder oder Mopeds wie in Bali, Vietnam o.ä. gibt. Man fährt Eisenbahn, Bus, Tram, evtl. Fahrrad. Und es wird gelaufen, was die Schuhe hergeben. Die Mädels haben es schwer, wollen sie doch auch diese chicen hochhackigen Dinger an den Füßen haben. Aber selbst Größe 36 pommerscher Landadel ist viel zu groß für die zierlichen japanischen Kinderfüßchen.

Was uns noch auffiel, es gibt ganz wenig Straßenhandel. Keine Kleiderständer auf den Gehwegen, die Straße ist ein Transitbereich.
Gelebt wird in der Firma, im Kindergarten, in der Schule (sogar samstags und sonntags sieht man massenweise Kinder in Schuluniform auf den Straßen). Viele, viele Menschn haben einen Minijob, bei dem sie sich nur verbeugen müssen, aber das in Uniform. Man sieht keine Bettler, niemand hängt rum, beäugt einen. Alle sind permanent irgendwie beschäftigt, in Bewegung. Und noch etwas: keiner liest. Ganz wenige mal ein Taschenbuch, Zeitung gar keiner. Nie liest einer im Zug - und wir fahren ja nun täglich auf den verschiedensten Zügen, nie, nie hat einer Zeitung gelesen - außer einem: Wolfgang.
Auch mit den Englischkenntnissen hapert es gewaltig. Ich, als ehemalige Englischlehrerin und Ausbilderin imWeiterbildungsbereich von EnglischlehrerInnen, ja ich möchte denen hier gern mal zeigen, wie man das in der Praxis macht. Aber nun müssen sie es selber rauskriegen. Die haben keine praktische Übung. Dabei weiß eigentlich ein jeder, sollte man wenigstens meinen: sprechen lernt man nur durch sprechen. Fragt man sich, was die so in ihrem Sprachunterricht machen, wo sie doch den ganzen Tag in der Schule sind.
Ja, und dann fiel uns noch was auf: es gibt keine oder fast keine
Müsli- oder Schokoladenriegel.

Aus familiärem Anlass verfolgen wir nun immer die entsprechenden Regale in Supermärkten, Bahnhofskiosken, Seven/Eleven, bzw. Äquivalent, nur Kitkat und Soyjoy scheint es zu geben. Also ein weites Feld für unseren Nutricionist.
So, nun ist Schluss, morgen wird wieder getempelt, ist schließlich Sonntag.... Übrigens haben wir hier im Hotel direkt eine kleine christliche Kapelle, wo gleich heute eine schöne Hochzeit gefeiert wurde.

Leider wurden wir nicht eingeladen.......

c by Gina

4 comments:

Jan on Tour said...

Ja, da fragt man sich, warum ist das so, dass da niemand unterwegs liest? Vielleicht ist das eine private Angelegenheit, die man in der Öffentlichkeit nicht demonstriert. Hierzulande rasiert man sich ja auch nicht mit dem Akkurasierer in der Bahn. Ist schon klar, dass sich 98% der Männer täglich morgens rasieren. Aber das macht man daheim und nicht in der Öffentlichkeit.
Oder es hat was damit zu tun, dass man nicht auch noch zeigt, dass man sich informieren und bilden muss. Man hat gebildet zu sein, aber es nicht zu tun. Vielleicht wie bei uns ein Ratgeber zu persönlicher Hypiene. Logisch, ist ne gute Sache. Aber das soll man einfach wissen und sich nicht erst bilden müssen.
Vielleicht bricht man aber auch gar kein Tabu wenn man in der Öffentlichkeit liest. Vielleicht haben die Japaner da nur schlichtweg keinen Bock drauf. Müsste man sie mal höflich fragen.

Anonymous said...

Ich find's cool, dass der Papa seine power station nochmal sehen konnte. Ob die sich da auch noch so an ihn erinnern...?

Gina said...

klar erinnern die sich, vor allem an die power....und da vor allem die Mädels, heute ca 65 Jahre alt...

Phi aus Freiburg said...

Da hat doch einer mal gesagt: "Sis is not my business. My business is si electricity!" Aber ich glaube, das war in Genf.
Hier, schaut doch mal, was so einzelne Müsliriegel oder Schokoladenriegel in den erwähnten Outlets kosten. Könnt ihr auch einfach mit dem Foto ein paar Bilder machen, wo man die Preise drauf erkennen würde.
Unser Geschäftspartner will 4 Stück für 100 Yen verkaufen. Klappt aber preislich nicht von unserer Seite aus. So, genug geschafft am Brückentag nach dem 1. Mai.
Ich probier übrigens mal, euch einige Fotos vom Hausbau auf eure diversen email-Adressen zu schicken. Könnt ihr also mal dort vorbei schauen. Waren einige sehr spannende und anstrengende Tage.
Viele Grüße euer Phi