05 April 2016

Adigallo und Adiminion

31.3. in Along bei den Adigallo auf dem Markt und bei den Adiminion im Haus 
Nachdem wir ja gestern so spät im Hotel mit Jugendherbergscharakter ankamen  konnten  wir nichts mehr von dem Städtchen hier anschauen. Tja und viel wird's auch nicht geben... Und wenns nix gibt, dann geht man halt auf die Märkte, da ist es immer schön bunt. Hier sind die Frauen die Stars wie eigentlich überall auf der Welt. Hier machen sie ihr Haushaltsgeld, andere geben ihr Haushaltsgeld aus. Handel halt. Die Ware ist schön frisch und hübsch in Bananenblätter eingepackt. Eine Frau kauft gehäckselte Bambussprossen, sieht bisschen aus wie klein  gehackter Kohl. Auch Hefe wird zu Bällchen geformt und verkauft. Sie gewinnen die Hefe beim Vergären von Reis zur Reiswein Herstellung.    Und dann geht's weiter am Fluss entlang, alles schön grün, die Straße holperig, Schlaglöcher immerzu. 7 km/Std. 

Hat sich nix über Nacht geändert. War auch klar. Der Fluss führt ordentlich Wasser, kommt aus dem Himalaya von den Schneefeldern  in Tibet und irgendwann mündet er in den Brahmaputra. Und dann kommen wir an eine Hängebrücke, die früher von Hand mit Seilen hergestellt wurde. Heutzutage aus Metall. Über diese Brücke kommen die Trägerinnen, die jeweils einen Sack mit 45kg Ingwer  herüber tragen. Dieser wird dann auf  LKWs verladen und auf die Großmärkte in Kolkata oder Delhi gebracht. Im nächsten Dorf laden uns Frauen vom Stamm der Adiminion in ihr Haus ein, schmücken sich in Festagskleidung, legen den besten Schmuck an und dann singen sie für uns und führen ein Tänzchen auf.  Sehr liebenswürdig und natürlich sehr farbenfroh. Und weiter geht's rechts Steilküste, in der Mitte unsere Schotterpiste mit ausgiebigen Schlaglöchern. Wir steigen aus, gehen den schmalen Pfad runter, kosten von dem Fleisch, das einige Jungs hier kochen gehen dann über eine wackelige Hängebrücke und den Hang auf der anderen Seite wieder rauf direkt in diese putzige Kneipe rein. Mittagessen mit Nudelsüppchen oder Reis und schon sind alle wieder happy. Der kleine Spaziergang hat uns allen gut getan bisschen durch die Natur schlendern und genießen. Ja und dann sitzen wir vor dem Haus und warten. Warten darauf, dass die Baustelle in 1 1/2 Stunden aufmacht und wir weiter fahren können. Und heute Abend wenns dunkel wird  fahren wir wieder durch den Dschungel und fürchten uns vor Schlaglöchern, Reifenpannen und Kühen, die auf der Straße rumliegen. Wir laufen jetzt durch die Baustelle am Brahmaputra entlang. Sehr schöne Landschaft, Sandbänke etc. und hält der Brahmaputra nicht irgendein Fluss der sich hier zwischen den Bergen seinen Weg eingeschnitten hätte . Überall Erdrutsche ganz erheblicher Art und das muss halt repariert  werden. Und nun bin ich an der Baustelle und tatsächlich liegt ein Riesenberg auf der Straße. Wir laufen zurück, denn da ist kein durchkommen und dann endlich kommen unsere Jeeps uns  entgegen. Ok in 4-5 Stunden sind wir am Ziel. Aber eigentlich ist ja der Weg das Ziel! Na ja, und schon stehen wir! Erdrutsch! Nicht nur wir stehen, alle vor uns und hinter uns und der Gegenverkehr natürlich auch. Unsere Geduld wird sehr strapaziert. Die Straße muss erst mal frei geräumt werden, mit schweren Baumaschinen. Dauert so Ca. 1/2 Stunde. Aber auch die geht rum. Geduld, Geduld! 16 Uhr, kleiner Cappuccino gefällig, Mensch du bist doch nicht in Italien.  Tee? wie denn hier in der Wildnis. Und wieder einmal fragen wir uns: " was machen wir hier eigentlich, mitten in der Wildnis in einer Baustelle?" Und zahlen dafür noch 150€ p.P. pro Tag. Sind wir bekloppt? Nichts geht. Schließlich zieht die Karawane weiter. Man ist dankbar und fragt sich, wann war ich eigentlich das letzte Mal dankbar und wofür. Und dann sehen wir wieder die Plastik Hütten der Straßenbauarbeiter und uns fällt schlagartig ein, ja wir sind dankbar dafür dass wir in Europa geboren sind und nicht hier! Ja und dann müssen wir nochmals bisschen langsam machen, denn ein Elefant läuft vor uns her, geht halt heim. Und lässt sicher nicht weghupen. Und dann sehen wir unser Ziel von weitem, Lichter der Stadt in weiter Ferne und wir sind immer noch 500 m hoch und wackeln durch die Gegend im Schritttempo. Irgendwann werden wir ankommen, ganz sicher? Aber wie das immer so ist, wenn du das Ziel siehst, geht's immer noch mal rauf, kommt nochmal ne Baustelle, der Weg ist nur Erde mit Steinbrocken und Geröll grad so breit wie unsere Jeeps und schon gehen die Stoßgebete wieder los. Bitte  keine Panne, bitte kein entgegen kommendes Auto, bitte keine zu tiefen Schlaglöcher, bitte keine Kuhherde, die auf der Straße schläft, usw. Und jetzt ist es 18 Uhr und die Stadt ist weg, klar, da hat sich noch ein Berg davor geschoben. Außerdem hieß es Ankunft zwischen  7 und 8, da hilft alles fromme Wunschdenken nichts. Es ist stockdunkel nur unsere 3 Jeeps sind auf dieser zig km langen Baustellenpiste in jämmerlichem Zustand unterwegs auf Expeditionstour. Schlagbaum, Einreise-Formular ausfüllen, wozu das denn. Hoffentlich ist die Obrigkeit uns wohl gesonnen, nicht dass die noch Pässe sehen wollen, denn die sind im Koffer verstaut. Alles gut gegangen, nur noch 5 km bis Brahmank. Gleich sind wir da. Richtige Straße, sogar hier auf ebener Strecke eine Leitplanke. Hoch oben im Gebirge nichts dergleichen! Und Mopeds brausen an uns vorbei,  die Dorfjugend fährt zum Tanzen.  Es ist Freitag Abend. Noch ein riesiger Markt. Viele Geschäft. Wir sind da!18:40 Uhr .kein Internet.

 

1 comment:

==================== said...


“Die europäische Familie”, sagte J.J….
“Gibt es nicht”, sagt der Bürger. “Ich war in Europa mit Kevin Egan aus Paris. Nirgendwo in Europa findet man eine Spur von ihnen oder ihrer Sprache, ausser in einem cabinet d’aisance.”

(Seite 365)

Erstausgabe 1922. Damals wie heute zutreffend.

James Joyce, Ulysses, Rhein-Verlag AG, Zürich, 1959

Etwas weniger als die Hälfte der Österreicher ist dem Gesäusel von den Vereinigten Staaten Europas nicht gewogen. Kein Wunder.

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