15 March 2015

Madan, der Beta-Poolman


Madan, 48, ist der Beta-Poolman im Sonesta. Er hat so einen Minijob von abends 2 Stunden und den ganzen Donnerstag wenn der Poolchef frei hat. Damit die Poolübergabe gut funktoniert kommt er schon immer eine Viertelstunde früher auf seinem Moped, das nun endlich abbezalt ist, vom 23 km entfernten Mapusa angebraust. 4 Personen leben  von diesem Miniverdienst, Mutter, Frau und 12-jährige Tochter.
Madan hat eine wundervolle Ausstrahlung. Er ist praktizierender Christ und schließt mich immer in sein Abendgebet ein, der Gute. Hier in Goa gibt es etliche Christen, das haben die Portugiesen missioniert. An die hochkastigen  Hindus kamen sie nicht dran, das war eine etablierte Gesellschaft, also haben sie ganz unten  gefischt, den Unberührbaren Essen und Kleidung gegeben, sie ins Gemeindehaus geholt, ihnen die christliche Botschaft verkündet und sie getauft. Wie das so ist, Kinder gezeugt, geheiratet und eine neue gesellschaftliche Gruppierung geschaffen. Die Namen legen Zeugnis davon ab, Francisco, Anthony, Mathilda, Maria, Lopez, De Souza, Veiga, Vega, etc. alle ziemlich hellhäutig und stolz. Sie tragen ein kleines Tattoo, ein Kreuz. Das weist sie aus. Der Besitzer dieses Hotels ist natürlich Goaner. Sein Opa hat diese Anlage im schönen Kolonialstil erbaut. Klar, dass hier Goaner, mehrheitlich Christen eingestellt werden. (Und seien sie noch so blöd, wie der Manager de Souza, der LangzeitGäste wie uns wegen paar Rupies Internetgebühr vergrault)
Madan ist de Sunnyboy, der absolut kommunikative Typ, der mit allen englischsprachigen Gästen auf eine sehr nette Weise kommuniziert. Er berichtet von den örtlichen Problemen, erklärt wie sie hier überleben wenn der Monsum kommt und nur ganz wenig ausländische Touristen da sind. Er z.B. geht  abends am Fluss fischen, aber nur wenn der Regen aufgehört hat. Im Monsum kommen die "underwear touris". So nennen die Inder jene Landsleute, die für einen Tag ans Meer fahren, und noch nicht  einmal eine Badehose haben. Madan hat für die nichts übrig, denn sie benehmen sich nicht adäquat, trinken Alkohol am Strand und pöbeln rum.  Madan kennt sich aus, und wenn du mal wissen willst, wo die Locals hingehen um  zu feiern, dann erklärt er dir das haargenau und  würde dich am liebsten mit seinem Moped hinbringen. Heute hat er frei, aber Morgen ist Montag und da werden wir wieder Schwätzchen halten. Und wir werden aufpassen, dass der eifersüchtige AlphaPoolman Jude nichts davon mitkriegt.

Madan links
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1 comment:

EU-Entropy...running free................................................................. said...


“Die europäische Familie”, sagte J.J….
“Gibt es nicht”, sagt der Bürger. “Ich war in Europa mit Kevin Egan aus Paris. Nirgendwo in Europa findet man eine Spur von ihnen oder ihrer Sprache, ausser in einem cabinet d’aisance.”

(Seite 365)

Erstausgabe 1922. Damals wie heute zutreffend.

James Joyce, Ulysses, Rhein-Verlag AG, Zürich, 1959





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